Retter in Marokko

Blogparade: Wer macht mit?

Marokko, kurz vor der Wüste, rund 30 Kilometer entfernt von der nächsten Stadt. Es ist spät, dunkel und wir sprechen nicht wirklich die Landessprache. Ich habe Fieber, schwerste Magenprobleme, bin dehydriert. Und nun?


Marokko // krank // Ait Ben Haddou
Ait Ben Haddou // Marokko // 2013

Das wunderschöne Ait Ben Haddou habe ich mir leicht neben der Spur mittags noch anschauen können, aber es ging mir minütlich schlechter. Dann kam der absolute Tiefpunkt. Ich tippe im Nachhinein auf Salmonellen. Wenn ich jetzt noch an die Tajine denke, die ich am Vorabend gegessen hab, wird mir immer noch anders. Naja, ich hole nicht weiter aus, wie sich mein Nachmittag/Abend im Badezimmer so gestaltet hat, kann sich ja wahrscheinlich auch jeder denken ... Gegen 21:30 Uhr war DER Punkt erreicht, an dem ich gemerkt habe, dass es trotz Medis aus der Reiseapotheke nicht besser wird und sich meine Dehydrierung ordentlich bemerkbar macht. Mein Kreislauf machte schlapp und ich konnte nicht mal mehr allein aufstehen.

 

Wir waren in der Kasbah Valentine untergekommen. Direkt neben Ait Ben Haddou. Der Besitzer Zaid war von Anfang an super nett und machte sich langsam auch Sorgen. Er rief den einzigen Arzt in der Region an, den er noch kriegen konnte. Tja, der hatte gerade eine Frau vor sich, die kurz vor der Entbindung stand. Ok, geht vor.


Da war die Welt noch in Ordnung
Da war die Welt noch in Ordnung

Weiter gings: Ab in unseren Mietwagen mit Zaid auf dem Beifahrersitz und mir hinten auf der Rückbank. Wir sind dann irgendwann in Ouarzazate angekommen. Zaid lotste uns zur Privatklinik. Geschlossen. "Nicht gut", meinte Zaid. Also ab ins öffentliche Krankenhaus. Ich beschreibe jetzt den Ist-Zustand: Es war laut und fühlte sich direkt anstrengend an. Wir sollten Zaid ca. 10 Euro in die Hand drücken. Er würde damit den Arzt bestechen, damit er mich schnell behandelt. Oha, klappte aber. Zaid übersetzte für uns und ziemlich schnell hing die erste von drei Infusionen an meiner Hand. Mir war einfach nur noch zum Heulen zumute und kalt. Kein Wunder, es gab ja keine Fenster im Zimmer, dafür aber Katzen und (Blut-)Flecken auf dem Boden. Zwischendurch setzte Zadi sich ins Taxi, fuhr eine Apotheke an und besorgte mir meine Medikamente. Als er wieder da war, wollte die letzte Infusion einfach nicht durchlaufen. Es dauerte ewig und ich heulte wieder, wollte in mein Bett und war hundmüde. Zaid meinte irgendwann: "Ich habe gebetet, dass diese Infusion nun endlich ein Ende findet." Es ist kein Witz: Tatsächlich ging es dann richtig schnell. Ich vermute zwar, der Arzt hat zwischenzeitlich die Taktzahl etwas erhöht, aber laut Zaid hat Allah geholfen. Vielleicht stimmt ja beides irgendwie.

 

In der Kasbah habe ich geschlafen wie ein Baby. Zaid hatte mir zum Frühstück Pancakes gemacht, alles ohne Fett und ganz besonders magenschonend. Unsere Fahrt nach Marrakesch stand auf dem Programm - ein Wunder, dass ich sie antreten konnte - und wir mussten uns leider verabschieden.

 

Wir haben uns noch ungefähr 25 mal bedankt. Für mich war die ganze Aktion alles andere als selbstverständlich. Als er uns die Hand gab, meinte Zaid: "Ach, das ist doch gar nichts. Überlegt doch mal, ich würde in Deutschland Urlaub machen, da würde doch jeder genauso handeln."

 

Zaid bestand natürlich auf eine Gegenleistung: Eine gute Bewertung bei Tripadvisor wäre klasse!

 

Warum schreibe ich die Geschichte überhaupt auf: Ich denke zwischendurch immer noch daran. Wie wäre die Geschichte ohne meinen "Retter" ausgegangen? Und wäre es tatsächlich so, dass man hier mit einem Fremden nachts durch die Weltgeschichte fährt? Vielleicht ruft man doch eher ein Taxi und sagt: Viel Glück?


Eure Geschichten

Hier findest Du alle Artikel der Blogger, die bei meiner Blogparade mitgemacht haben. Vielen Dank für Eure Geschichten, ich freue mich über jede einzelne :-) 

Lieschenradieschen reist Reifenpanne in Namibia? Lynn von "Lieschenradieschen reist" berichtet über Ihre Erlebnisse ...
Das gute Leben. the good life  Sina von "Das gute Leben. the good life" dankt in ihrem Beitrag all ihren Wegbegleitern und das in Peru, Indien, Nepal und in den USA

Krank in Marokko / im Krankenhaus
Ich habe es überlebt // Thumbs up

Welche Erfahrungen habt ihr mit Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft auf Reisen gesammelt?

Ich bin gespannt auf eure Geschichten.

 

1. Schreibe bis zum 30. Juni einen Beitrag zum Thema "Persönliche Helden - Hilfsbereitschaft auf Reisen" (natürlich kannst Du auch mit einem bereits veröffentlichten Artikel mitmachen)

 

2. Verlinke Deinen Artikel hier in den Kommentaren und verweise in Deinem Beitrag wiederum auf meinen Artikel

 

3. Ich verlinke alle Artikel und teile sie selbstverständlich auch auf Facebook und Twitter

 

4. Am Ende gibt es eine Zusammenfassung aus all Euren Geschichten :-) 

 

Freue mich auf Euch ...

 

Viele Grüße

Jenny

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Kommentare: 5
  • #1

    Ulrike (Dienstag, 31 Mai 2016 08:04)

    Hallo,
    Interessante Blogparade. Grübele schon ne Weile drüber nach. Hab bislang aber noch nichts ähnlich dramatisches erlebt. Aber mir fällt da bestimmt noch was ein.
    LG
    Ulrike

  • #2

    Jenny (Dienstag, 31 Mai 2016 08:30)

    Hallo Ulrike,
    danke für Deinen Kommentar. Würde mich sehr freuen, wenn du mitmachst. Manchmal sind es ja auch kleine Dinge, bei denen man die Gastfreundschaft/Hilfsbereitschaft spürt. Ganz ohne Dramatik :-)

    Liebe Grüße
    Jenn

  • #3

    Lynn (Donnerstag, 02 Juni 2016 21:59)

    Oh je, was für eine Geschichte! Zum Glück ist es ja nochmal gut ausgegangen. Ich habe im vergangenen Jahr eine Wüstentour in Marokko gemacht und unser Weg war ähnlich wie eurer. Eine der Mitreisenden hat es hinter dem Atlas Gebirge auch ganz übel erwischt mit Fieber, Husten und Übelkeit/Erbrechen. Dem Rest ging es zum Glück gut, aber sie hat gelitten wie ein Hund.

    Davon handelt es in meinem Beitrag zu deiner Blogparade allerdings nicht. Ich nehme alle Interessierten mit nach Namibia, genauer gesagt in die Namib Wüste. Dort ist nämlich der Tag ganz anders verlaufen, als geplant: http://lieschenradieschen-reist.com/hilfsbereitschaft-auf-reisen/

    Liebe Grüße,
    Lynn

  • #4

    Jenny (Freitag, 03 Juni 2016 08:31)

    Hallo Lynn,

    vielen Dank für Deinen tollen Artikel. Deine Geschichte zeigt mir wieder, dass Menschen, die man unterwegs trifft, Situationen einzigartig machen können, auch wenn sie mal nicht so laufen, wie eigentlich geplant. Für mich auch besonders spannend, da wir im September nach Namibia düsen. :-)

    Liebe Grüße
    Jenny

  • #5

    Sina (Montag, 06 Juni 2016 11:32)

    Hallo Jenny,

    hier mein Beitrag zur Blogparade: https://dasgutelebenthegoodlife.com/2016/06/06/komplizen-partners-in-crime/

    Liebe Grüße
    Sina