Wandern in Österreich

Von Wien ging es zum Wandern nach Österreich. Scheiß auf Brasilien und Afrika. Das hätte uns fast das Leben gekostet ...

Von Wien nach Flachau


Vom Wiender Westbahnhof haben wir in den Zug nach Salzburg genommen und mussten dort umsteigen. Weiter ging es im "Backpacker-Zug" nach Bischofshofen. Der Zug hatte den Style und die Klasse Südostasiens. Heiß, stickig, keine Plätze, nur Rucksäcke. Alle wollten nach Slowenien. Der Zug hatte etwas Verspätung, was jetzt schon nicht so super war, weil wir den Anschluss nach Radstadt nicht verpassen wollten. Der nächste Zug fuhr aber wegen einer Baustelle auf der Strecke erst gar nicht, also ab in den Bus nach Radstadt. Am größten Bahnhof aller Zeiten - pack ein New York - warteten wir dann noch auf den Bus nach Flachau. Und tatsächlich, wir waren endlich da.

Erste Nacht in den Bergen


Der Postbus brachte uns erst mal nach Flachauwinkl. So, es gab kein Zurück mehr. Wir mussten wandern. Und zwar bergauf. Es war relativ warm und nach fünf Minuten hatte ich schon Schweiß. Wir waren so in unserem Element, dass wir direkt die erste Hütte zum Rasten verpasst haben. Nach einer Weile auf befestiger Straße ging es ab über Felder, Wiesen und durch den Wald. Eine echt schöne Strecke. Nach rund zwei Stunden waren wir schon an unserem Tagesziel, der Südwienerhütte, angekommen. Nach dem Mittagessen und Bier gönnten wir uns ein Nickerchen in unserem Luxuszimmer. Eine Dusche gab es übrigens nicht, da es schon "ewig nicht mehr geregnet hat". Olli bezweifelt das bis heute.


Am Nachmittag haben wir noch den "Spirzinger" und den "Spatzeck" erstürmt. Unsere ersten Zweitausender. Mit schweren Beinen ging es direkt nach dem Abendessen und einem Verdauungsschnaps ins Bett. Es hat ziemlich heftig gewittert und meine Nacht war nicht gerade erholsam.

Verlaufen


Da wir Angst vor der großen Hitze hatten und relativ früh in Zauchensee ankommen wollten, sind wir am nächsten Morgen schon um 7 Uhr gestartet. Die Luft war angenehm kühl durch den nächtlichen Regen und frohen Mutes sind wir singend und lachend durch die Berge spaziert.


Irgendwann kam ein Punkt, an dem der Weg nicht mehr ausgeschildert war. Noch eher gesagt, wir konnten uns nicht vorstellen, dass wir über einen Berg geschickt werden, dessen Gipfel man hätte erklettern sollen. Und mit klettern meine ich KLETTERN, nicht wandern. Aus weiter Ferne sahen wir ein Murmeltier, das wie am Spieß schrie. Eigentlich dachten wir erst, dass es seine kleinen pelzigen Freunde vor uns Eindringlingen warnen wollte, im Nachhinein war es wohl eher eine Warnung an uns. Wir sollten nicht vom rechten Weg abkommen ... Ich kann über den ganzen Tag gar nicht mehr soooo viel schreiben. Ganz kurz gefasst: Wir haben uns verlaufen. Auf Wanderwegen waren wir schon nach knapp zwei Stunden nicht mehr. Über Wiesen, durch Wälder immer weiter in Richtung Zauchensee. Im Handy gibts ja wenigstens nen Kompass, der uns allerdings auch nicht mehr wirklich was gebracht hat. Höhepunkt der ganzen Aktion war ein munterer Abstieg, zwischenzeitlich im Regen, an und in einem Bach. Wasser fließt ja bekanntlicherweise nach unten und unten konnte in unserer Situation ja nicht ganz verkehrt sein. Wie steil, glatt und scheiße die ganze Aktion war, werde ich hier nicht weiter kommentieren. Wir sind tatsächlich mehr oder weniger lebend unten angekommen inklusive gestauchtem Daumen, Schürf- und Schnittwunden. Und tadaaaa, sogar an einer Alm, der "Unteren Gnadenalm" (ja, Gnade mit uns, bitte). Da gab es Radler und Kuchen. Am allerbesten war aber doch, dass uns der ganze Ausflug so zwischen drei bis vier Stunden gekostet hat und wir den richtigen Weg zu dieser Alm in rund 1,5 Stunden geschafft hätten. Tja, blöd gelaufen. Im wahrsten Sinne. Unser Stolz hat es uns verboten ein Taxi nach Zauchensee zu nehmen. Also wieder weiter. Und weiter. Und weiter. Irgendwann sind wir tatsächlich in Zauchensee angekommen. Im tollen Hotel Alpenhof. Leckeres Essen, ein wunderbares Zimmer MIT Dusche. Ich hätte heulen können vor Glück.

Hitzeschlag in Radstadt


Wie fühlt man sich, wenn man elf Stunden berauf und -ab gelaufen ist und dabei öfters mal Todesangst hatte? Richtig. Nicht ganz so topfit. Die nächste Etappe führte nach Radstadt. Erst mal mussten wir eine ganze Ecke durch den Wald laufen. Schon morgens war es knackig heiß und keine Wolke war am Himmel. Irgendwann standen wir auf dem Gipfel. Über 2.300 Meter hoch. Unser Rekord. Wir blieben auch ziemlich lange auf dieser Höhe und waren die ganze Zeit über der Sonne ausgesetzt. Wir konnten Radstadt schon fast sehen, da standen wir plötzlich mal wieder ohne Route dar. Österreich, was läuft eigentlich falsch bei dir? War dieses Mal aber nicht ganz so schlimm. Kurz eine Baustelle für eine neue Skipiste überquert und etwas durch den Wald geirrt, dann waren wir wieder auf Kurs. Weniger lustig waren die zig Bremsen im Wald. Ich war am Abend komplett zerstochen.


Aus den angegebenen 5,5 bis 6 Stunden wurden aber allerdings rund 8 Stunden, bevor wir am Hotel ankamen. Mein Liebster war abends schon ziemlich komisch drauf. Tja, Fieber gemessen: 38,5°C, Schüttelfrost, Kreislauf am Boden. Da schließt sich der Kreis. Genauso ging  es mir vor unserer Reise. Hitzschlag. Ibus rein, Wadenwickel gegen das Fieber und schlafen. War schon richtig heftig. Die letzte Etappe konnten wir so definitiv nicht antreten. Die Sonne hatte eh noch eine Schippe drauf gelegt und guten Gewissens hätte ich keinen Menschen mehr irgendwelche Berge besteigen lassen. Also sind wir direkt ins gute alte Filzmoos verfrachtet worden (kenne ich sonst nur mit Schnee).

Filzmoos


Unsere eigentliche Pension war überbucht und so kamen wir in der Villa Rieder unter. Kannte ich eh schon aus Erzählungen, da meine Mama dort öfters mal übernachtet hatte. The BEST: Tiffany! In der Pension wohnt ein Mops. Liebe!!! Wir waren aber auch so ganz begeistert vom "Nobel-Skiort" Filzmoos (O-Ton Olli) und haben dort wirklich gut gewohnt und gegessen. Am nächsten Tag hat uns der Besitzer Wolfgang wieder zum Bahnhof Radstadt gebracht, von wo wir weiter nach München gefahren sind. Für uns hieß es "Tschüss Österreich". Schön, dass wir dich überlebt haben.

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