Seminar "Arachnophobie"

Was wiegt schwerer: Tierliebe und Neugierde oder die pure Angst? Ein Selbstversuch.


Irgendwann trudelte in meinem Mailfach eine Pressemitteilung vom Zoo ein. Ein Seminar zur Bekämpfung von Arachnophobie, der Angst vor Spinnen, wird angeboten. Ein kurzer Aufschrei  "Ich will dahin" und eine arme Seele von Arbeitskollege, dem die Tierchen auch nicht geheuer sind, musste als Fotograf mitkommen.


Ein Zoomitarbeiter erläuterte in einem informativen Vortrag zunächst Grundlegendes zu den Achtbeinern. Neben den häufigsten heimischen Arten stellte er natürlich auch Rekordhalter wie die größte Spinne der Welt oder giftige Vertreter vor. Besonders hilfreich für mich war die Information, dass Zitterspinnen (die Kleinen mit den langen, dünnen Beinen) Hauswinkelspinnen (die schnellen Fetten mit den dicken, schwarzen Beinen, die bei mir hysterische Anfälle auslösen) auffressen können. SEHR WICHTIGE INFO. Mit den Zittrigen werde ich es mir ab jetzt gut halten. Ich werde ihnen genau ein einziges Mal sagen, dass die Nähe des Bettes tabu ist, der Rest der Wohnung soll mir egal sein. Manchmal muss man sich einfach mit Feinden zusammenschließen, um einen mächtigeren Gegner zu besiegen.


Irgendwann wurden zwei Kraushaar-Vogelspinnen (Brachypelma albopilosum) aus ihren Terrarien geholt. Zwei Weibchen, ein kleineres und ein recht großes Exemplar. Wer wollte, konnte mit ihnen hautnah in Berührung kommen. Natürlich wollte ich. Und was soll ich sagen?! Ich hätte beide direkt mit nach Hause nehmen können. Die Schatzis waren ganz weich, leicht und unglaublich lieb. Sie bewegen sich überhaupt nicht hektisch und sind wirklich richtig puschelig und süß. Ich wollte sie gar nicht mehr hergeben. Den meisten Besuchern des Seminars ging es ähnlich, vielleicht haben die die Kleinen nur nicht sofort mit Kosenamen und in Kindersprache angesprochen.


Tja, dann kam der andere Part. Die Hauswinkelspinnen wurden ausgepackt. Ich konnte nicht. Auch nicht nur einmal kurz über die Hand laufen lassen. Spätenstens als ein Teilnehmer eine von denen auf seinem Rücken sitzen hatte, weil die Viecher einfach unendlich schnell sind, war bei mir Schluss. Fest steht für mich: Hauswinkelspinnen sind Geschöpfe direkt aus der Hölle und nur auf der Erde, um den Menschen Furcht und Leid zu bringen. Da ich allerdings wahrscheinlich auch mal in der Hölle lande und mich dort mit ihnen arrangieren muss, versuche ich ab jetzt die Achtbeiner nicht mehr wegzusaugen, sondern sie einzufangen und nach draußen zu entlassen. Im Endeffekt können sie ja auch nix dafür. Das Seminar war in jedem Fall super. Es wird zweimal im Jahr angeboten und ich kann es jedem nur empfehlen. Habe mich sogar dabei ertappt, wie ich mich über Terrarien informiere. Mein Baby würde ich Peter/Petra Parker nennen. 

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